Die Kanadische Pharmamafia versucht seit kurzer Zeit, im europäischen Raum Fuß zu fassen - als “European Pharmacy”. Die Spamschlucker-Redaktion testet den Online-Shop auf Herz und Nieren.
Der Shop bedient sich in der deutschen Version automatisch generierter Übersetzungen. So wird aus den Versandbedingungen ("shipping policy") schon mal die “Schifffahrtspolitik”. Solche sprachlichen Probleme sind häufig dafür verantwortlich, dass potenzielle Kunden den Kaufvorgang nicht erfolgreich abschließen. Hat der Spamschlucker es geschafft?
Nach dem Abtippen der WWW-Adresse (s.u.) versuche ich mich erst mal in der Oberfläche des Shops zu orientieren. Alles wirkt aufgeräumt und durchdacht. Ich scrolle nach unten - ein Footer mit allen wichtigen Links, u.a. die “Schifffahrtspolitik” (1) und natürlich auch der obligatorische “Haus"-Link (2) ...
... der sich praktischerweise auch links oben im Layout findet (und in der französischen Version “Maison” heißt) [Klick aufs Bild zum Vergrößern]:
Wahrscheinlich ist mit “Haus” “Home” gemeint.
Ich überprüfe die Produktpalette in der linken Navigation. Die Anti-Beruhigungspillen beunruhigen mich, aber in jedem Fall lege ich einige “Einzelteile" in die “Karre”, um später dann “zur Prüfung überzugehen”. Die Umstellung von veralteten Begriffen wie “Artikel”, “Warenkorb” und “zur Kasse gehen” fällt mir nicht schwer, ich bin ein Internetmann der ersten Stunde. Aber ... als aufmerksamer Internetnutzer ist mein Misstrauen geweckt, ich bin hellwach: Bevor ich nun an der Karre eine Währung auswähle und meine Kreditkartennummer eingebe, schaue ich mich doch noch etwas genauer um.
Schon die Spam-Mail hat mich stutzig gemacht - da ist statt von “Ersparnis” von “Abwehr” die Rede. Man beachte übrigens das klassische Vorgehen, das Bild automatisch durch kleine Pünktchen u.ä. zu verunreinigen, um die Spamfiltern auszutricksen (die zweifelsohne bei 5 Millionen verschickten genau gleichen Bildern aufmerksam würden). Handelt es sich etwa um die “Kanadier” (eine US-amerikanische, autonome Spammertruppe), die den schleppend ladenden Webshop unter der URL www.letclass.com betreiben? Und ... kenne ich nicht den netten Doktor in der Mitte, den habe ich doch schon mal gesehen ... war das nicht in einem dieser dieser vielen Webshops der “Canadian Pharmacy”? Arbeitet der jetzt für die “European Pharmacy”?

Egal - jeder muss schauen, wie er sich durchbeißt, auch der gut aussehende Doc. Kann er mir das ersehnte Viagra geben? Kann ich ihm vertrauen? Die Beschreibung, auf Deutsch, beendet meinen Höhenflug:
Was ist ein “Sicherheitswerdegang”? Ich werde misstrauisch. Vielleicht sollte ich doch besser ein “Anti-Pilz"-Mittel versuchen, oder Vitamine für meine Haustiere, oder “Zahnfleisch Neu!” ... aber nein, nur die Potenzmittel wurden übersetzt (da sieht man mal, wo das eigentliche Geschäft läuft!). Ich versuche mich an “Penis Growth Pills” ...
... aber hier ist mir die “Peniszunahme” suspekt. Nun, denn hole ich mir doch “Levitra”, ein
Ehrlich gesagt ist mir auch das suspekt. Es klingt zu brachial.
Ich fühle mich verloren.
Deshalb wende ich mich nach links, an die Dame mit dem Headset - sie kann mir sicher bei meinen Anliegen helfen. Aber Ach! und Weh! Sie ist nicht das Support Center, sie fordert mich auf, eine Stütztmitte zu stellen!
Mein Verdacht ist geweckt. Ich klicke unten auf den Link “Datenschutz”. Schon beim ersten Satz fällt es mir wie Schuppen von den Augen:
Was wissen die schon über die Urkunft! Die wahre Urkunft ist die, dass ich um ein Haar einer Bande von Betrügern zum Opfer gefallen wäre - wäre ich nicht so aufmerksam gewesen! Damit bewahrheitet sich ein weiteres Mal das alte Internet-Safeness-Sprichwort:
Surfe mit Geist und Sinn, und sieh:
Es ist wieder mal die kanadische Pharmazie.
(Surf with ghost and sin, and look:
It is again once the Canadian Pharmacy)
Eingetragen: 31.08.2008, 01:23 in Bemerkenswert Top-10
Permalink; 7299

Geehrter geschickter Spinnwebe-Navigationsoffizier, Grüße!
Automatische Übersetzungstools haben so ihre Tücken
Ich habe mich gekugelt vor Lachen. Eine Anfrage an eine beliebige Suchmaschine offenbart: es ist kein Einzelfall, die Schifffahrtspolitik ist auf vielen Seiten anzutreffen.
Eine Frage ist aber offen geblieben: Für was tut generischer Standplatz?
Geschrieben von uooɯ ǝuɐɥdlɐ am 27.11.2008, 22:35