Der Spamschlucker

Ein Mann.
Eine Mailbox.
Eine Herausforderung.

Spam-Statistik (Stand: 21.05.2012, 22:30 Uhr)

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Nazi-Spam, diesmal: Rudolf Heß

imageNach langer Zeit erreicht mich mal wieder ein waschechter Nazi-Propaganda-Spam. Absender: “Frankenpost”, Betreff: “Das war Mord !” Es geht um Rudolf Heß (der Stellvertreter Hitlers), der nach 46 Jahren Haft im Kriegsverbrechergefängnis Spandau Selbstmord beging. In der Neonazi-Szene gilt Rudolf Heß “aufgrund seines ungebrochenen Bekenntnisses zum Nationalsozialismus, seiner 46-jährigen Haftzeit – davon über die Hälfte in Einzelhaft – und seiner vermeintlichen Ermordung durch den britischen Geheimdienst als Märtyrer” (Wikipedia: Rudolf Heß). Und deshalb kriege ich jetzt eine Spam-Mail, wo die Neonazis mir mitteilen wollen, was für ein guter Mann Heß tatsächlich war.

In einem ellenlangen, etwas weinerlichen Text ergeht sich der Autor in der Rehabilitierung von Rudolf Heß:

Was hat man von seiten der Alliierten nicht alles getan, um das Andenken an Rudolf Heß auszulöschen: ein halbes Leben lang, fast 46 Jahre, hat man ihn daran gehindert, das zu sagen, was er wußte [...]
Spam-Mail vom 01.09.2010: Das war Mord !

imageEs handelt sich bei dieser Mail um typischen (aber insgesamt selten auftretenden) Propaganda-Spam (oder auch: Mentalitätsspam).

Vor allem zu den Bundestagswahlen tritt rechter Mentalitätsspam gehäuft auf (vgl. heise.de 15.05.2005: Neonazi-Propaganda überschwemmt Postfächer, Spamschlucker 21.09.2009: NPD-Spam zur Bundestagswahl?). Mentalitätsspam bedeutet: Die Spammer möchten nicht Geld verdienen (z.B. indem sie einem Waren andrehen oder PINs fürs Online-Banking entlocken), sondern sie möchten auf die Gedanken der Gespammten Einfluss nehmen. Heß? Ein böser Mann? Was ist wirklich dran?
Ein riesiges Verschwörungskonstrukt wird dargelegt, der brave Kamerad Heß als Opfer britischer Heimtücke dargestellt:

Der britische Geheimdienst hatte schon sehr früh von den Bemühungen des »Stellvertreters des Führers« Kenntnis und nutzte diese erbarmungslos aus, um eine Falle zu stellen. Man täuschte Friedensbereitschaft in weiten Teilen der britischen Regierung vor, ließ aber jedes angestrebte Treffen platzen, um die »Verhandlungen« so in die Länge zu ziehen, bis das Deutsche Reich gezwungen war, der zum Angriff bereiten Sowjetunion entgegenzutreten. Als Heß am 10. Mai 1941 unbedingt hochrangigen britischen Persönlichkeiten gegenübertreten wollte, nahm man ihn gefangen und verweigerte ihm den Status eines Parlamentärs.
Spam-Mail vom 01.09.2010: Das war Mord !

Gegen Ende der Mail steigert sich die Pseudowissenschaftlichkeit in unerträglich schleimiges Pathos:

Mehrmals schilderte er seinem Patienten Heß, wenn vor dem Tor des Gefängnisses 100 oder mehr Demonstranten standen, die seine Freilassung forderten. Auf die Frage, warum er sich nicht freue, antwortete Rudolf Heß: »Die tun da draußen genauso ihre Pflicht wie ich hier drinnen.« Tun also auch wir unsere Pflicht und gedenken wir eines Soldaten und Politikers, der sein Leben einsetzte, um Deutschland und der Welt Frieden zu geben, und der dafür mit 46 quälend langen Jahren Haft büßen mußte.
Spam-Mail vom 01.09.2010: Das war Mord !

... aber wer außer dem Spamschlucker liest solch eine Mail bis zum Ende?

 

Eingetragen: 08.09.2010, 12:30 in Statistik Edel-Spam

Permalink; 2174

Späterer Eintrag: Nazi-Spam: Ausländerhasser fahren auf dem Sarrazin-Trittbrett

Früherer Eintrag: 1424 neue Mails KW 30/2010

1 Kommentare

  1. xyz meint dazu:

    Wie heßlich ...
    Das man dieses braune Anhängsel auch einfach nicht los wird in Deutschland.


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