Der Spamschlucker

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Nigeria-Spam aus Polen = Polenspam?

Nigeria-Spam - man spricht auch von der Nigeria-Connection - kommt in der Regel aus Nigeria oder anderen afrikanischen Ländern . Das BKA weiß auch von Nigeria-Spam aus “dem benachbarten Ausland” (BKA: Definition Nigeria-Spam).

Ich habe nun meine erste Nigeria-Mail aus Polen bekommen. Meine Anmerkungen in eckigen Klammern und grün.

Betreff: Sehr geehrte Dame/ Sehr geehrter Herr,
Datum: 7. Mai 2007 06:26:20 MESZ
Von:  .(JavaScript must be enabled to view this email address)
An:  .(JavaScript must be enabled to view this email address)

Sehr geehrte Dame/ Sehr geehrter Herr, [Eine typische Anrede der Nigeria-Connection, auch der Betreff lässt schon Nigeria-Spam vermuten. Ich lese weiter.]

Ich bin Frau Katarzyna Chec, polnische Staatsbürgerin. [Es haut mich um. In der Regel heißt es nämlich “Als Erstes moechte ich mich bei ihnen vorstellen. Mein Name is Herr Justin Obule, ein Manager bei der Amalgamated Bank South-Africa PLC, Johannesburg.” o.ä. Und jetzt eine Polin?!]  Ich bin mit Herrn Jozef Chec verheiratet, er hat neun Jahre bei der Botschaft gearbeitet bevor er 2005 verstorben ist. Wir waren elf Jahre verheiratet und haben keine Kinder. Er erlag einer Krankheit, die nur vier Tage gedauert hat. Vor seinem Tod waren wir beide gute Christen. Nach seinem Tod habe ich beschlossen nicht wieder zu heiraten oder ein Kind außerhalb der Ehe zu bekommen.

Als mein Man noch gelebt hat, hat er 12,5 Millionen US Dollar bei einer Bank deponiert. Zur Zeit ist das Geld noch bei der Bank aufbewahrt.

Vor kurzem erfuhr ich von meinem Arzt, dass ich die nächsten acht Monate nicht überleben werde, weil ich Krebs krank bin.  Wegen meines Gesundheitszustandes [Man beachte: Die Orthografie ist besser als in den meisten Nicht-Spam-Mails, kleinere Kommafehler bei Konjunktionalsätzen, ab und an ein kleines Deppenleerzeichen (“Krebs krank”), ansonsten schön richtig “dass” mit Doppel-s, “wegen” mit Genitiv usw. Also eindeutig ein Muttersprachler (und keine Polin ...)] habe ich beschlossen diesen Fonds einer Organisation oder einer guten Person, die ihn so benutzen wird wie ich es beschreibe, zu schenken. Ich möchte, dass das Geld für Weisenheime [Heime für Waisen? Oder für Weise?] , Witwen [Heime für Witwen??] oder andere Menschen in Not benutzt wird. Ich habe diese Entscheidung getroffen weil ich kein Kind habe, das das Geld erben konnte und die Verwandte meines Mannes keine Christen sind und noch schlimmer, sie haben meinen Mann getötet um an sein Eigentum zu kommen. Eigentlich möchte nicht, dass die Mühe meines Mannes von Ungläubigen benutzt werden soll und ich möchte auch nicht, dass sein Geld leichtsinnig benutzt werden soll.

[Wir erkennen im klassische Motive der Nigeria-Spammer: tiefe Gläubigkeit, tödliche Krankheiten, eine Menge Cash, ein ungerechter Mord, Angst vor bösen Menschen, altruistische Verwendungsabsichten für das riesige Erbe.]

Deswegen habe ich diese Entscheidung [welche?!] getroffen. Ich fürchte mich nicht vor dem Tod weil ich weiß wo ich gehe. Ich möchte keine telefonische Kommunikation in dieser Hinsicht wegen meines Zustandes und der Anwesenheit der Verwandten meines Mannes [Ich glaube eher: weil es schwierig ist, eine Polin am Telefon zu simulieren.] . Ich möchte nicht, dass sie darüber erfahren. So bald ich Ihre Antwort bekomme werde ich einen Bewilligungsbrief an die Bank schicken um das Eigentumsrecht für das Geld auf Sie zu übertragen.

Mein Glück ist, dass ich das Leben einer würdigen Mutter gelebt habe. Bitte bestätigen Sie, dass Sie meinem Wunsch entsprechend handeln werden.

Vielen Dank

Frau Katarzyna Chec
Email:  .(JavaScript must be enabled to view this email address)
Private Email:Katarzynachec@myway.com

PRIVATSPHÄRE: Die gesendete Information ist nur für den Empfänger bestimmt und kann vertrauliches und/oder privilegiertes Material enthalten. Jede Überprüfung, Wiederübertragung, Zuteilung oder andere Benutzung der Information von andere Personen als der bestimmte Empfänger ist verboten. Falls Sie es versehentlich bekommen haben, bitte kontaktieren Sie den Absender und löschen Sie das Material von ihrem Computer. Danke

Eingetragen: 07.05.2007, 09:07 in Edel-Spam

Permalink; 6765

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Früherer Eintrag: 214 neue Spam-Mails in der KW18

8 Kommentare

  1. Texas meint dazu:

    Hm, und wie will sie dann ein mein Geld kommen, wäre interessant zu erfahren wie die geschichte weitergeht.


  2. Spamschlucker meint dazu:

    Schreib ihr doch grin


  3. Werner meint dazu:

    Wenn ich so meine Fantasie walten lasse kann ich mir vorstellen das da erst einmal Anwalts und Verwaltungskosten entstehen um die Sache perfekt zu machen, dann könnten noch Transaktionsgebühren fällig werden. Diese Kosten sind natürlich erst einmal von DIR zu bezahlen.  Grins


  4. BuddhaMaster meint dazu:

    Also das wirklich lustige an dieser mail finde ich:
    sie hat keinen sohn, ganz am schluss erwähnt sie: “sie sei froh das leben einer guten mutter gelebt zu haben” hmm??? hahahaha.

    Und dir ist das nichtmal aufgefallen ? also schäm dich wink


  5. müll-madam meint dazu:

    Deine Kommentare zu Spamtexten finde ich immer sehr geistreich und amüsant.


  6. Toa meint dazu:

    Ich lese gerade spontan irgendwelche alten Artikel durch und bin gerade hier gelandet, und möchte gerne zu einer Anmerkung meinen Kommentar abgeben: “(...) schön richtig “dass” mit Doppel-s, (...). Also eindeutig ein Muttersprachler (und keine Polin ...)” Du gibst ja noch mehr Begründungen, zu denen ich nix sagen kann, aber das mit dem “dass” heißt gar nichts. Ich bin mit einem Polen befreundet, der im allgemeinen ziemliche Probleme mit deutscher Grammatik hat (und gerne mal in einem Text alle Wörter klein schreibt, weil er mit der Grammatik der anderen Sprachen durcheinander kommt), aber die Unterscheidung zwischen “das” und “dass” hat er drauf. Er überlegt sich einfach, wie der Satz auf polnisch heißen müsste und welches Wort dort stehen müsste. Davon kann er sich dann ableiten, ob im deutschen Satz “das” oder “dass” stehen muss. wink Das “dass” spricht also keinesfalls gegen Polnisch als Muttersprache. wink


  7. Dr. Zumba :D meint dazu:

    Hier eine ganz aktuelle Geschichte hierzu.


  8. kakadu meint dazu:

    Also, Dr. Zumba,

    recht engstirnig, Deine Wahrnehmung von “typisch” Muttersprachler, resp. typisch “toitsch”. Schubladenken vom Feinsten.

    Selbstverständlich gibt es genügend Menschen, die woanders geboren, dort zur Schule gegangen und im Laufe des Lebens (jaha, Genitiv)- meinetwegen- nach D (oder Bayern) ihren Lebensstandort verlegt haben. Und sie sind der Sprache mächtig, weil es ihre Entscheidung war, hier zu leben und nicht zu vegetieren. Und dazu gehört nun mal die Kommunikation in Wort und Schrift.

    Gut, die Aussprache am Telefon zu “immitieren” ist ein ganz anderer Aspekt; ich telefoniere auch nicht gern mit den Schwaben, Franken oder Sachsen in ihrem jewiligen Dialekt :-D

    Bisschen mehr Toleranz, Herr Doktor wink

    Anhand der von Dir genannten Symptomen würde ich noch lange keine Diagnose wagen…

    Chapeau! wink


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