Spamela, die Spamschlucker-Dame, kündigt die Spam-Prognose fuer 2009 an

Wenn von 10 Millionen Gespammten einer kauft, lohnt es sich

Vorschau: Nachbau der Website 'Canadian Pharmacy' durch ein US-ForscherteamEin US-amerikanisches Forscherteam hat das Botnetz “Storm” infiltriert und in 26 Tagen knapp 350 Millionen Spam-Mails kontrolliert (Versand, Klickrate, Kaufaktionen). Dazu haben sie u.a. eine Website der “Canadian Pharmacy” nachgebaut. Die Ergebnisse sind höchst interessant: Auf 40.000 versendete Spam-Mails kommt ein Klick, auf 10 Millionen versendete Spam-Mails ein Kauf - und es lohnt sich trotzdem:

(In der Studie wurde Pharma-, Postcard- und Aprilscherzspam überprüft. Wir beziehen uns im Folgenden nur auf den Pharma-Spam.)

Die Studie ist in der sehr lesenswerten Studie Spamalytics: An Empirical Analysis of Spam Marketing Conversion (Kooperationsarbeit der Universitäten Berkeley/San Diego) nachzulesen; die interessanten Ergebnisse finden sich dort auf Seite 7 (Kap. 5.1, Tab. 3):

Vorschau: Tabelle mit den Ergebnissen des Spamexperiments der Berkeley-/San Diego-Universitäten, in denen das Botnet 'Storm' infiltriert wurde

Demnach wurden insgesamt 347 Millionen verschickter Spam-Mails analysiert, von denen geschätzt 15.000 in den Inboxen der User ankamen (z.B. Yahoo-Spamfilter: 0.0017% erreichen die Inbox, Gmail-Spamfilter: 0.0068% erreichen die Inbox; allerdings basieren diese Zahlen auf einigen wenigen Test-Accounts und sind deshalb nicht ganz verlässlich). Die Forscher zählten auch, wie oft der beworbene Pharmashop nach Klick auf die Links in den Mails besucht wurden - es waren insgesamt 10.522 Besucher. 28 dieser Besucher kauften pharmazeutische Produkte, 27 davon Potenzmittel (Gesamtumsatz: 2.731$). Da die Forscher nach eigenen Angaben nur 1.5% des Botnetzes kontrollierten, kann man davon ausgehen, dass das Botnetz “Storm” pro Tag 9.500$ generiert - das entspricht einem Jahresumsatz von 3.5 Millionen US-Dollar.

Zusammenfassung:

Die Verfasser der Studie weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Ergebnisse nicht als repräsentativ wahrgenommen werden sollen, da der untersuchte Wirklichkeitsausschnitt zu mager für Verallgemeinerungen ist. Wahrscheinlich lässt sich Spam in dieser Weise überhaupt nicht auf repräsentativem Niveau untersuchen, da die beeinflussenden Parameter (Wettrüsten Spam-/Antispamindustrie, technologische Entwicklungen, angebotene Produkte ...) sich viel zu schnell ändern. Wir versuchen trotzdem eine Verallgemeinerung (bei der wir zünftig runden):

  • Von 1.000.000 verschickten Spam-Mails kommen gerade mal 400 in den Inboxen an (ca. 0.004%).
  • Wenn 1.000 Leute den in einer Spam-Mail beworbenen Pharma-Shop besuchen, werden 2-3 dort etwas kaufen.

Daraus schließen wir: Mit einem kaufenden Kunden pro 10.000.000 verschickter Spam-Mails komme hat sich das Geschäft für den Spammer bereits gelohnt. Kein Wunder, dass die Jungs so schwer auszurotten sind.

Eingetragen: 13.11.2008, 19:22 in Bemerkenswert Top-10

Permalink; 336

Späterer Eintrag: Gravierender Spam-Rückgang erwartet wegen Abschaltung der McColo-Server

Früherer Eintrag: 2653 neue Mails in der KW 45/2008 - yahoo als einziger spamfrei im Freemailer-Vergleich

Kommentarbereich:

Keine Kommentare. Das Thema "Spam" ist euch wohl scheißegal. Dann schreibt wenigstens meine E-Mail-Adresse auf irgendeine Internetseite: stephan@spamschlucker.org

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