Der Spamschlucker

Ein Mann.
Eine Mailbox.
Eine Herausforderung.

Spam-Statistik (Stand: 24.04.2017, 00:00 Uhr)

  letzte 24 Stunden 2017 seit 01/2007
stephan@spamschlucker.org 0 1.942 398.825
bm@schweinischer-bote.de 0 7.508 527.572
schlucks@gmx.net 4 860 111.406

Spamschlucker-Jahresabschluss 2008: E-Mail-Spam außer Kontrolle

Swiss Branded Watches - gleiche Spam-Mail trifft mehrfach ein (Screenshot aus der stephan-spamschlucker.org-Inbox)Im Jahr 2008 wollte ich 200.000 Spam-Mails bekommen, das ist mir nicht gelungen. Trotz sehr starker Ausschläge ist das Spamaufkommen seit Frühjahr 2008 im Durchschnitt konstant geblieben.

Die wesentliche Erkenntnis des Jahres 2008 für mich ist diese, dass der E-Mail-Spam außer Kontrolle geraten ist. Der Kontrollverlust gilt für Spammer, Auftraggeber und Kontrollinstanzen (und natürlich vor allem für die Gespammten).

Das Jahr 2008 hat für unser Spam-Experiment darüber hinaus einige interessante Erkenntnisse gebracht, die die These des Kontrollverlusts teilweise stützen:

1. Die Aktivierung automatischer Abwesenheitsmeldungen (auf JEDE eintreffende Spam-Mail!) hatte keine langfristigen Auswirkungen.
2. Globale Erfolge der Spamverfolger (Herbal King, McColo-Server) minimieren den Spamschlucker-Spam nicht nennenswert.
3. Die Zeichenfolge “spam” vor dem “@” ist nach wie vor ein sicheres Mittel, um wenig Spam zu bekommen.
4. Die Freemail-Anbieter in unserem Freemail-Experiment halten sich weiterhin wacker (was man durchaus auch von ihnen erwarten können sollte).

Übersicht: Das Spamschlucker-Jahr 2008

Das Diagramm unten (Klick zum Vergrößern) zeigt die Entwicklung der drei Hauptadressen. Es fällt auf, dass sich im Jahr trotz sehr starker Ausschläge nicht viel bewegt; in der KW 52 habe ich so viel Spam bekommen wie in in der KW 20 (.(JavaScript must be enabled to view this email address)) bzw. wie in der KW 3 (bm@schweinischer-bote). Man kann daraus ablesen, dass
1. E-Mail-Spam wie herkömmliche Werbekampagnen in Wellen verläuft; oder dass
2. E-Mail-Spam völlig außer Kontrolle geraten ist und die Schwankungen von Störfaktoren abhängen (Nutzung der (privaten, infiltrierten) Computer im Botnet, Aktualität von Black-/Whitelists etc.).

Die erste Theorie ist schon deshalb unglaubwürdig, weil teilweise die gleiche Spam-Mail in einer Woche mehrfach eintrifft. Von kontrolliertem Marketing kann nicht die Rede sein. So ist in knapp sechs Tagen die Mail “Swiss Branded Watches” 84 mal in die .(JavaScript must be enabled to view this email address) getrudelt (Screenshot links oben).

Spamschlucker: Jahresstatistik 2008 für die Hauptadressen

Eine Sonderstellung nimmt hier der gmx-Account ein, der weniger und passiver verbreitet wurde. Dass über die Monate kein Anstieg zu verzeichnen ist, liegt sicher an den globalen Spamschutzeinstellungen von gmx (für den persönlichen Account .(JavaScript must be enabled to view this email address) habe ich den Spamschutz deaktiviert).

Zahlen

Auf den zwei Hauptadressen .(JavaScript must be enabled to view this email address), .(JavaScript must be enabled to view this email address) und .(JavaScript must be enabled to view this email address) sind zu verzeichnen:

  • .(JavaScript must be enabled to view this email address) : 124.034 Spam-Mails, Wochenschnitt übers Jahr: 2.385/Woche
  • .(JavaScript must be enabled to view this email address): 136.192 Spam-Mails, Wochenschnitt übers Jahr: 2.619/Woche
  • .(JavaScript must be enabled to view this email address): 22.339 Spam-Mails, Wochenschnitt übers Jahr: 465/Woche

Automatische Abwesenheitsmeldungen, Fahndungserfolge: Spamschlucker bleibt resistent

Für die Theorie, dass E-Mail-Spam außer Kontrolle geraten ist, spricht auch die Tatsache, dass unsere Adressen kaum auf “größere” Ereignisse reagieren (Abschaltung der McColo-Server, Festnahme der Spam-Gang “HerbalKing”). Zwar haben die Medien berichtet, dass nach Abschaltung von McColo das weltweite Spamaufkommen um 75% gesunken sei; auf dem Spamschlucker habe ich jedoch nur einen leichten (und vor allem: sehr kurz währenden) Einbruch verzeichnen können. Wir schließen daraus, dass die großen Spamanalysten (iX/heise, GData usw.), die monatlich viele hundert Millionen Spam-Mails auf ihre eigens dafür aufgestellten Server eintreffen sehen, zwar schon Massen des weltweiten Spamverkehrs überwachen. Das hat allerdings nichts (oder: nur wenig) mit den Mailboxen der Enduser zu tun - denn zwischen dem versendeten Spam und der privaten Mailbox liegen viele Hürden. Aus diesem Grund sind auch viele (wissenschaftliche korrekte!) Studien über Spam für die Gespammten völlig aussagelos, wie ich u.a. in Reaktion auf Claytons Anfangsbuchstaben-Analyse dargelegt habe

Auch der Einsatz automatischer Abwesenheitsmeldungen konnte das Spamaufkommen nicht langfristig steigern. In der KW 37 habe ich für die drei Hauptadressen automatisierte Abwesenheitsmeldungen installiert, die auf jede eintreffende Mail mit einer Abwesenheitsnotiz antworten. Die Explosion in der KW 39 habe ich zuerst als Erfolg dieser Methode interpretiert, danach war aber wieder gähnende Langeweile statt des erhofften Anstiegs. Kein Wunder - die allermeisten Spam-Mails werden über infiltrierte Privatrechner verschickt (“Botnets”), damit kommen nur unschuldige oder gefakte Absenderadressen in den Genuss meiner Abwesenheitsmeldungen. Allerdings zeigt auch diese Aktion, dass die Spammer keinerlei Kontrolle über die Öffnungsraten ihrer Mails haben; wäre auch nur eine (der insgesamt etwa 100.000 verschickten) Abwesenheitsmeldung zu den Spammern gelangt, hätten diese die zugehörige Mailadresse als (noch) existent eingestuft und entsprechend stärker gespammt. Vielleicht sind die Spammer aber auch an Öffnungsraten gar nicht interessiert. Denn:

Heute denken Spammer in Millionen, wenn nicht Milliarden von Mails. Bei “Herstellerpreisen” von unter 10 Euro pro Million versendeter Mails ist es nicht relevant, ob 5% oder 95% der angefunkten Mailadressen “echt” (=existent) sind. Als Spammer zählt nur eine Rechnung: Wenn 10 Millionen versendeter Mails zu einem Kauf führen, hat sich die Aktion gelohnt. Ein weiterer Grund, warum die Spammer selbst nur ein geringes Interesse daran haben, ihre Aktionen kontrolliert und marketingtechnisch ökonomisch durchzuführen.

Zeichenfolge “spam” sorgt immer noch für wenig Spam

Ich habe schon mehrfach vermutet, dass die Zeichenfolge “spam” in E-Mail-Adressen dazu führt, dass weniger Spam reinkommt. Ausgangspunkt meiner Überlegungen war die Tatsache, dass die .(JavaScript must be enabled to view this email address) die .(JavaScript must be enabled to view this email address) überholt hat - obwohl zweitere wesentlich intensiver verteilt wurde (auch: wesentlich häufiger auf Webseiten ausgebracht). Inzwischen liegt die .(JavaScript must be enabled to view this email address) wieder leicht vorne; das ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass im Sommer häufig über den Spamschlucker berichtet wurde (u.a. Stern, Rheinischer Merkur, c’t/heise - siehe Pressespiegel) und im Gefolge v.a. die stephan@spamschlucker auf vielen Webseiten verbreitet wurde.

Was jedoch weiter für die Theorie spricht: Ich habe am 18.02.2008 fünf E-Mail-Adressen eingerichtet, die jeweils nur einmal auf den Spamschlucker-Seiten stehen, bereit von irgendwelchen Bots eingesammelt und in Spammerlisten übertragen zu werden. Damit haben alle 5 Adresse genau gleiche Bedingungen (einmal auf der gleichen Seite ausgebracht, Abschaltung des Spamschutzes); während die michgibtesnureinmalÄTSPRACHDIDAKTIKORG insgesamt auf 294 Mails kommt, liegt die spam@sprachdidaktik mit ganzen 9 Mails im Gesamtzeitraum vorne. Die .(JavaScript must be enabled to view this email address). hat also nur 3% des möglichen Spams erhalten - bei absolut identischen Bedingungen.

Freemailer halten sich wacker

Am 28.04.2008 habe ich 10 Freemail-Adressen eingerichtet, die auf einer gut frequentierten Website an heimlicher Stelle ausgebracht wurden und in (jeweils die gleichen) fünf Pornonewsletter eingetragen wurden. Die Spamschutz wurde auf der Standardeinstellung (also: “Spamschutz aktiviert”) belassen.

Nach 35 Wochen sind insgesamt so viele Spam-Mails in die Inbox vorgedrungen:
- 0 Spam-Mails: yahoo
- 1 Spam-Mail: web.de, googlemail, hotmail.de
- 2 Spam-Mails: freenet.de
- 3 Spam-Mails: aol, gmx
- 5 Spam-Mails: lycos
- 7 Spam-Mails: arcor
- 18 Spam-Mails: mail.ru

Damit stehen quasi alle Anbieter außer mail.ru gemeinsam auf Platz 2 - zwischen ein und sieben Spam-Mails in 35 Wochen ist nicht viel. Ungeschlagener Tabellenführer ist weiterhin yahoo mit jungfräulicher Inbox.

Spam-Voraussage für 2009

Ich bin gespannt darauf, wie es 2009 weitergeht. Weiterhin werde ich keine größeren Aktionen unternehmen, um die Adressen zu verbreiten.

Nachdem ich nun 2008 auf die Hauptaccounts jeweils rund 130.000 Spam-Mails bekommen habe (und damit die angestrebten 200.000/Jahr deutlich verpasst habe), prophezeie ich für das Jahr 2009:

E-Mail-Spam wird nicht maßlos zunehmen. Die Spammer setzen zunehmend auf gruppenbezogene Lösungen (Direktmarketing, z.B.Phishing bei Mitarbeitern auf Führungsebene); das Geschäft mit blindem, unkontrolliertem E-Mail-Spam dürfte angesichts der Risiken und des wettrüstungsbedingten Aufwands zurückgehen - zumal wohl immer mehr Menschen sensibel für Spam werden dürften und entsprechend weniger Konversionen zu erwarten sind.

Deshalb glaube ich (im Gegensatz zu der neuen Spamschlucker-Dame Pamela), dass wir eine Steigerung von nur stark 100% erwarten dürfen und Ende 2009 bei einem Wochenschnitt von ca. 5.000 Spam-Mails/Woche landen werden. Das wäre traurig wenig, aber dieses Jahr will ich mich mal mit meiner Prognose etwas zurückhalten (für 2007 hatte ich 500.000 Mails vorhergesagt, für 2008 200.000).

Eingetragen: 06.01.2009, 18:13 in Statistik Top-10

Permalink; 11866

Späterer Eintrag: 2697 neue Mails KW 2/2009 - Abschaltung des Autoresponders

Früherer Eintrag: 2172 neue Mails in der KW 1/2009 - Replica-Spam dominierte das Weihnachtsgeschäft 2008

5 Kommentare

  1. RP meint dazu:

    Hallo, wie wird es denn jetzt mit dem Projekt weitergehen?

    Schöne Grüße


  2. Spamschlucker meint dazu:

    Danke der Nachfrage. Es geht wie geplant bis 2021 weiter, und wir schauen mal, ob Spamela mit ihrer Vermutung “+250% in 2009” Recht hat (was ich aber bezweifle) ...


  3. Heike meint dazu:

    Also ich habe ja schon viele Blogs gesehen und auch schon viele gelesen, aber so was habe ich noch nicht gesehen. Andere Leute sind froh, wenn sie am Morgen ihr Postfach aufmachen und nicht gleich eine ganze Menge Mails zu sehen kriegen, die von einem Spamanbieter kommen. Also ich bin froh, wenn ich nur wichtige Sachen bekomme.

    Was bezweckst du damit? Hat das einen tieferen Hintergrund oder Sinn? Wie kommt man auf so eine Idee? Ich finde so was echt abgefahren. Bin ja mal gespannt, wie es dieses Jahr so laufen wird bei dir.


  4. A meint dazu:

    Also ich kanns auch nicht verstehn… Mich kosten schon 40 Spammails täglich meine letzten Nerven. Nur wegen diesen Spammern arbeite ich mit ca 5 verschiedenen Postfächern…


  5. Tina meint dazu:

    Mich nerven die vielen Spams auch, das wird immer schlimmer…


Smileys

Angaben merken
Bei Antworten per E-Mail informieren