Der Spamschlucker

Ein Mann.
Eine Mailbox.
Eine Herausforderung.

Spam-Statistik (Stand: 24.02.2017, 02:00 Uhr)

  letzte 24 Stunden 2017 seit 01/2007
stephan@spamschlucker.org 42 1.481 398.364
bm@schweinischer-bote.de 68 6.390 526.454
schlucks@gmx.net 10 413 110.959

Eigentlich heiße ich Berthold Metz, doch durch das Spamschlucker-Projekt habe ich viele neue, nicht immer schmeichelhafte Namen erhalten: Der Stern berichtete über mich als den “Internet-Müllmann”, im Rheinischen Merkur war ich “Müllschlucker aus Leidenschaft”, Der Sonntag sah in mir einen “Spam-Versteher”. Dabei wollte ich doch immer nur das Eine: gespammt werden.

Das Spamschlucker-Projekt

Am 01.01.2007 habe ich beschlossen, der am meisten gespammteste Mensch der Erde zu werden (s.u.). Aktuell gelangen in meine Mailboxen wöchentlich Tausende von Spam-Mails.

Ich habe seit 2007 rund 20 E-Mail-Adressen auf unterschiedliche Arten in Umlauf gebracht. Ich habe dazu all das getan, was du besser nicht tun solltest: Ich habe E-Mail-Adressen im Klartext auf Webseiten verbreitet, ich habe E-Mail-Adressen in Gewinnspiele, Poker- und Porno-Newsletter eingetragen, ich habe auf Unsubscribe-Links in Pharma-Spam geklickt, ich habe auf Spam-Mails mit automatischer Abwesenheitsmeldung geantwortet - undsoweiter eben (mehr in meinem initialen Statement zum Vorgehen (01.01.2007)). Dabei befolge ich bestimmte Regeln.

Das Spamaufkommen wird hier in Statistiken tagesaktuell und umfassend dokumentiert. Ich vergleiche den die Qualität des Spamschutzes von Freemailern und kommuniziere mit Spammern. Im Spamschlucker-Blog berichte ich über aktuelle Spam-Themen und sage Ihnen, ob Sie an Weihnachten mit weniger Spam zu rechnen haben, weil die Spammer mit ihren Familien unterm Weihnachtsbaum sitzen.

Technische Basis

Von Januar 2007 bis Dezember 2010 wurde die Spamverwaltung zum Teil manuell, zum Teil vom CMS Expression Engine abgewickelt. Im Januar 2011 benutzte ich kurzzeitig das CMF MODx für die Aufbereitung der Inhalte. Das ging mir aber rasch auf die Nerven, weil viele Komponenten (z.B. Kommentarkomponente) recht unausgegoren und nerdy sind. Deshalb bin ich im März 2011 wieder auf ExpressionEngine 2 umgestiegen. Die Mails sammle ich seit 2011 nicht mehr in einem Mail-Client, sondern speichere sie in einer Datenbank.

Geschichte: Entstehung des Projekts

Ich bin schon lange fasziniert von gutem Spam oder gutem Phishing, und ich klicke auch häufig auf Spam. Ich glaube, es macht richtig Spaß, Spammer zu sein - wenn es nur nicht so destruktiv wäre. Darüber hinaus bin ich fasziniert von automatischen Übersetzungen und furchtbarer Rechtschreibung, wie sie in Spam-Mails gerne praktiziert wird.

Am 31. Dezember 2006 erhielt ich folgende Mail:
wahlen-spam
Absender: WAHLEN 2007, Betreff: Ihre Entscheidung zählt!!!

Ich öffnete die Mail und fand undezente Hinweise darauf, wie ich meine bizarren Neigungen mit Fetischgirls ausleben könnte.

Die Frechheit begeisterte mich. Spammer kennen weder Gesetz noch Moral. Es geht ihnen nur um eines: Die Kunden müssen den Inhalt der Mail zu Gesicht bekommen - ob sie wollen oder nicht.

Ich habe an anderer Stelle schon auf das faszinierende Phänomen des Beleuchtungsspam oder auf Vogelgrippe-Fax-Spam hingewiesen. Ich merkte aber mit der Fetisch-Wahlen-2007-Mail, dass die Welt eine Sammlung der besten Spammails braucht.

Und ich verspürte außerdem das Bedürfnis, mich mal so richtig spammen zu lassen. Wie viele Spam-Mails kann ich wohl mit einer neu eingerichteten E-Mail-Adresse in einem Jahr bekommen? Diese Frage stellte ich mir gestern [geschrieben 01.01.2007], und seit heute bin ich dabei, sie zu beantworten.


Das Konzept

Ich werde oft nach dem künstlerischen und technologen Konzept des Spamschluckers gefragt. Voila - hier ist es.

Vorweg sei bemerkt, dass natürlich die riesigen Tech-, Antispam- und Antivirenfirmen (in D z.B.: GDATA) wesentlich mehr Spam bekommen als ich; sie dokumentieren quasi den weltweiten Spamverkehr. Aber ehrlich: Was juckt das den Anwender? Uns interessiert: Was passiert mit einer E-Mail-Adresse, die in die Hände von Spammern gerät? Der Spamschlucker simuliert genau diese Situation.

Damit ist der Spamschlucker ein empirisches Projekt, das quasi unter Laborbedingungen durchgeführt wird. Ich dokumentiere die Aktivitäten genau und nehme quantitative und qualitative Auswertungen vor. Ich erhebe und dokumentiere das Spamaufkommen, vergleiche die Spamentwicklung unterschiedlicher Mailadressen, erstelle Prognosen usw. - das ist der quantitative Ansatz. Nach der Methode der Grounded Theory (nach Glaser und Strauss) werte ich einzelne Spam-Mails und -Wellen qualitativ aus. Der Interessensfokus liegt dabei auf der Auswertung gestalterischer, inhaltlich-struktureller und sprachlicher Besonderheiten. Dieses empirische Interesse entspringt meinem Dasein als involvierter Webworker - als Telemat. Ich werte das kulturelle Erlebnis des Gespammtwerdens seriös und präzise aus.

Der Spamschlucker ist aber auch ein künstlerisches Projekt, eine digitale Performance: Der Spamschlucker ist ein virtuelles Netz, dessen Knoten aus überall verteilten E-Mail-Adressen bestehen. Durch das Ziel “mehr Spam bekommen” wird Spam als etwas Positives umgedeutet; dass das funktioniert, sieht man an den vielen Kommentaren und auch Privatmails, in denen mir Menschen befriedigt schreiben, dass sie ja viel mehr Spam als ich bekämen. Dieser virtuelle (und öffentliche) Masochismus meinerseits ist Ausdruck einer künstlerischen Existenz in der Wohlstandsgesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Pressematerialien

Weitere, etwas veraltete Materialien (Fotos, ein etwas veraltetes Mediasheet usw.) finden Sie im Bereich Pressematerialien.

Eingetragen: 10.03.2011, 11:11

Permalink; 28897

5 Kommentare

  1. Marko Finkel meint dazu:

    Ich finde dein “Projekt” irgendwie genial oder sehr tiefgründig. Viel Spaß beim Schlucken! Ansonsten wünsche ich weiterhin allen Spammern alles Schlechte auf dieser Welt. :D


  2. Rützelpütz meint dazu:

    Ich brauch Spam:
    .(JavaScript must be enabled to view this email address)

    Gutes Projekt, weiter so!


  3. coole-news meint dazu:

    Ich find dein Projekt super!
    Du könntest doch noch so ein Projekt für Viren starten;)
    (in einer Virtuelen Machine)


  4. Frank Weber meint dazu:

    Absolut Klasse die Idee und lustig manche Spammails zu lesen hoffentlich hilft diese Seite auch noch den letzten unverbesserlchen die auf solchen Humbug antworten dies in Zukunft zu lassen. Mach weiter so, viele Grüsse von Frank


  5. Tom meint dazu:

    Moin,

    dein Projekt ist genial. Ich bin gerade eben darauf gestoßen, nachdem ich - genau wie du - vor einigen Tagen eine Email von einer armen, frierenden Russin mit Kleinkind und ohne Mann bekam, und mir dachte: “Da schreibst du mal zurück, um zu gucken, mit welcher Masche die Kohle abgreifen wollen (ich gehe immer davon aus, dass hinter solchen Personen mehrere Gauner dahinter stecken).”
    Erstaunlicherweise wird selbst in der dritten Email nicht nach Geld gefragt o.ä., sondern die wollen nur einen Ofen zum Heizen. Jede noch so kritische Frage können die beantworten.

    Irgend ist das lustig. :-D


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