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Pressespiegel

Eine Auswahl von Beiträgen über den Spamschlucker

SWR2 Impuls (16.07.2008)

Ellinor Krogmann im Gespräch mit dem Spam-Sammler Berthold Metz.

Interview auf swr2 am 16.07.2008

hr3 (09.07.2008)

"Der Spam-Sammler"

Radiobeitrag auf hr3 (Webbeitrag: "Der Spam-Sammler"), Interview ausgestrahlt am 11.07.2008, 15.20:

Berthold Metz aus Freiburg hat ein ehrgeiziges Ziel: Der 37-jährige will der meist-gespammteste Mensch der Welt werden!

Jeder "normale" Nutzer von e-Mail-Programmen regt sich auf, wenn in seinem Postfach sich die e-Mails stapeln, die Potenzmittel zum Sonderpreis bewerben oder Nacktbildchen zum Gratis-Download versprechen...

Anders Berthold Metz: Er sucht und findet Wege, auf eigens eingerichteten e-Mail-Adressen möglichst viel e-Mail-Müll zugesandt zu bekommen. 3.500 Spam-Mails am Tag sind sein Spitzenwert – den er aber noch steigern will.

Allerdings geht es ihm dabei nicht darum, einfach nur Spam aus anderer Leute virtuellem Mülleimer zu sammeln – nein, der Spam sollte schon an ihn als Erstempfänger gerichtet sein. Dazu trägt er sich einerseits bei allen verdächtige Newslettern ein und bittet andererseits um eine möglichst großflächige Verbreitung seiner e-Mail-Adresse im Internet. Sie können ihm helfen, auf dem Weg zum meistgespammtesten Menschen!

Stellen Sie einfach seine e-Mail-Adresse auf Ihre persönliche Homepage: Stephan@spamschlucker.org

graumarktinfo.de (27.06.2008)

"Das überrascht mich sehr"

Ein Interview mit Berthold Metz auf graumarktinfo.de, einem Ableger von boerse-online.de.

Börsenspam - "Das überrascht mich sehr" Von Martin Reim

Zur Person: Es gibt tatsächlich einen Menschen auf der Welt, der sich über Werbemails freut – Berthold Metz. Der Doktorand aus Freiburg sammelt solche Spams, wertet sie auf seiner Homepage spamschlucker.org aus und freut sich über Zusendungen an die Adresse stephan@spamschlucker.de. GRAUMARKTINFO.DE hat mit dem 37-Jährigen über Börsenspams geredet. Herr Metz, kriegen Sie oft Börsenspams?

Metz: Seit Jahresanfang habe ich auf eine einzige Adresse 66 000 Spams zusammenbekommen, und kein einziges Mal ging es um Aktien. Das überrascht mich sehr.

Wie viele Börsenspams haben sie in früheren Jahren bekommen?

Metz: Ich schätze mal, dass sich zwei bis fünf Prozent aller Mails mit dem Thema beschäftigt haben.

Was könnte die aktuelle Baisse ausgelöst haben?

Metz: Möglicherweise schaffen es die Mails nicht mehr durch die Filter, weil die Kürzel "WKN" oder "ISIN" mittlerweile erkannt werden. Außerdem kann man relativ leicht einen Spam-Schutz aufbauen, weil man nur die Namen einiger tausend Aktien eingeben muss, die in Frage kommen. Bei anderen Spam-Themen ist solch eine Abgrenzung schwieriger. Vielleicht sind aber auch die Absender frustriert, weil sie keine Wirkung mehr erzielen. Es ist ja nicht auszuschließen, dass die Leute nicht mehr so doof sind, auf die Mails zu reagieren. Eventuell haben auch die Doofen kein Geld mehr.

Was unterscheidet Börsenspams von anderen Werbemails?

Metz: Sie sind immer sehr technisch, mit vielen Ziffern, insbesondere in Form von Prozentzahlen. Und sie sind optisch sehr lieblos gemacht. Da lassen sich beispielsweise die Werber für Viagra oft mehr einfallen - mit verschiedenen Farben und so.

Gibt es also nichts, was das Sammlerherz erfreut?

Metz:Ästhetisch und inhaltlich gesehen, nein. Aber ich finde Börsenspams in anderer Hinsicht faszinierend. Oft steht drin, dass eine bestimmte Aktie am nächsten Tag stark steigen wird. Das ist erstmal eine Lüge. Aber einige Leute kaufen die Aktie gerade wegen dieser Vorhersage, zumindest war das früher so. Dann steigt der Kurs tatsächlich, und die Lüge hat eine neue Wahrheit geschaffen.


Stern 19.06.2008

"Der Internet-Müllmann"

Ein Bericht im Stern 26/2008, S. 126 vom 19.06.2008 und die gleiche Version online.

Vorschau: Eingescannter Spamschlucker-Artikel aus dem Stern 26/2008: 'Der Internet-Müllmann'
Der Internet-Müllmann Von Sven Stillich Alle hassen Spam - nur Berthold Metz nicht. Er liebt die Werbemails und kann nicht genug davon bekommen: Als "Spamschlucker" sammelt er die Reklame auf seiner Webseite.

Eigentlich müsste Berthold Metz sehr reich sein und die Frauen scharenweise glücklich machen. Das jedenfalls versprechen ihm die vielen Mails, die er Tag für Tag erhält. Denn der 37-Jährige sammelt Spam. Und er tut alles, um noch mehr davon zu bekommen - bis er mehr elektronischen Werbemüll kriegt als jeder andere Mensch. Sein Ziel in diesem Jahr: 200.000 Mails. "Spamschlucker" nennt sich der Doktorand an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg. Seit eineinhalb Jahren sammelt er, inzwischen erhält er etwa 3000 Werbemails in der Woche.

Um Nachschub muss dem Spamschlucker nicht bange sein: Je nach Studie sind heute 70 bis 90 Prozent aller weltweit verschickten E-Mails Werbung, jeden Tag werden mehr als 100 Milliarden Spam- Nachrichten verschickt - ein kaum glaublicher Anstieg, seit ein amerikanischer Computerhändler erstmals vor 30 Jahren bescheidene 600 Werbebriefe ins Internet pumpte und damit Computer im Wert von zwölf Millionen Dollar verkaufte.

"Das sind richtige Konzerne"
"Spam durchsetzt heute das Internet wie Ungeziefer", sagt Berthold Metz, "und alle hassen das. Aber anscheinend gibt es doch eine Menge Menschen, die dort etwas bestellen - Viagra, Gucci, Prada oder Zigaretten." Auch dieser Widerspruch macht die moderne Seuche für ihn interessant. Akribisch dokumentiert er auf seiner Website, mit welchen Methoden er wie viel Spam gefischt hat. Er trägt seine E-Mail- Adresse in Porno-Newsletter ein und nimmt an Gewinnspielen teil, bei denen es außer Spam nichts zu gewinnen gibt.

Oft überrascht ihn die Dynamik der Spammer-Szene. "Da bekommt eine Adresse monatelang kaum Spam, und plötzlich sind es über 200 Mails in der Woche", sagt Berthold Metz - für ihn ein Beleg dafür, dass 80 Prozent der weltweiten Spammails wirklich von nur 200 Leuten verschickt werden, wie Experten der Anti-Spam-Organisation "Spamhaus" behaupten. "Und diese 200 tauschen die geernteten Adressen wohl untereinander aus", sagt Metz, "das sind richtige Konzerne." Fein säuberlich weist er jede erhaltene Mail in seiner Statistik aus - ein gigantisches Archiv der Netzreklame.

Unterhaltsamer Spam
Berthold Metz will den Besuchern seiner Site etwas bieten: "Normalerweise werden Spammails mit einem schnellen, zornigen Klick gelöscht", sagt er. "Bei mir aber kann jeder etwas über Spam erfahren, ohne die Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Dafür halte ich meinen Kopf hin." Unterhaltsam ist das Ganze auch: Wenn Werbemüll mit Auszügen aus Hermann Hesses "Siddhartha" oder dem "Kleinen Prinzen" von Antoine de Saint-Exupéry garniert wird, amüsiert das nicht nur den Germanisten Metz. Lesenswert ist auch sein Mailwechsel mit der Russin "Elena", die in einer Spammail gebeten hatte, ihr 194 Euro für einen Ofen zu schicken, weil der russische Winter so bitterkalt sei. Als Metz ihr stattdessen seinen alten Radiator anbietet, wird schnell offensichtlich, dass Elena die Kohle lieber wäre als der Ofen.

Diese Episode ist nicht nur zum Schmunzeln - die routinierte Antwort der "Russin" macht klar, dass sich solcher Spam rentieren muss. Was auch daran liegt, dass es so billig ist, ihn zu verschicken. Nach einer Analyse des Antiviren- Herstellers "Gdata" kostet der Versand von 20 Millionen Spammails nur 350 Euro. "Wenn nur vier von den 20 Millionen etwas kaufen, hat sich das für die Spammer schon gelohnt", sagt Metz lächelnd. "Und natürlich bleiben ein paar der 20 Millionen Mails bei mir hängen." stern, 26/2008: Spam - Der Internet-Müllmann

1live (06.06.2007)

"Faszinosum Spam"

Ausführlicher Bericht über den Spamschlucker auf der Website des Radiosenders 1live vom WDR:

Faszinosum Spam - Von Christoph Hiener Spam nervt. E-Mail-Spam ist wie die Heuschreckenplage der Neuzeit – allgegenwärtig, mächtig und teilweise verheerend. Laut Messaging-Security-Anbieter Postini sind 73 Prozent des weltweiten Mailverkehrs als Spam-Mails zu klassifizieren, lassen Server zusammenbrechen und System-Administratoren fluchen. Vor allem wir User müssen uns immer wieder mit Filtern und Aussortieren der neuesten Viagra-, Rolex- oder Pornomails beschäftigen. Dabei kann man mit der Plage auch ganz anders umgehen, wie die Seiten bigemail.de und spamschlucker.org zeigen.

Die Seitenbetreiber haben sich zum Ziel gesetzt, möglichst viel Spam zu empfangen. Berthold Metz will bis zum Jahresende 500.000 Spammails auf seine Adresse stephan@spamschlucker.org bekommen, Klaus Seeliger aus Gladbeck überprüft, wie viel Spam er mit den ständig neu generierten Mailadressen seiner Homepage bigemail.de erreichen kann. Beides scheint, zumindest nach landläufiger Meinung, eigentlich kein Problem zu sein, hohe Zahlen seien zu erwarten und kein Geheimnis, die bisherigen Ergebnisse sprechen aber zur allgemeinen Überraschung eine ganz andere Sprache. Ich frage nach und will natürlich vor allem wissen: Wie kommt man überhaupt auf so was?

Wie lang ist eine E-Mail Adresse sicher?
"Spam hat mich schon immer fasziniert", meint Berthold. "Spam ist eine Werbeform, die Grenzen durchbricht: Sprache, Glaubwürdigkeit, Kommunikationskonventionen - alles wird irrelevant, wenn die Message nur den potenziellen Empfänger erreicht. Dabei lassen sich die Spammer allerlei Tricks einfallen: Sie kaschieren ihren Spam mit Zitaten aus 'Der kleine Prinz' oder Hesses 'Siddharta', sie setzen Bibelzitate in die Betreffzeilen, sie verstümmeln ihre Produkte orthografisch bis zur Unkenntlichkeit oder schicken Mails in zigfacher Ausfertigung. Nicht nur im Krieg und in der Liebe sind alle Mittel erlaubt - auch beim Spam. Die Spammer wollen ihre Ware an den Mann bringen." Im Gegensatz dazu hat Klaus Seeliger von bigemail.de neben der grundsätzlichen Mitgliedschaft bei Anti-Spam-Projekt projecthoneypot.com wesentlich pragmatischere Gründe: "Es war reine Neugier, wie lang eine Emailadresse sicher ist, wenn sie öffentlich ist, ob sie wirklich mal massiv zugespamt wird. Das wird sich aber nur über einen langen Zeitraum feststellen lassen." Eine Plage bleibt zunächst aus Trotz Eintragungen in zahlreiche Porno-, Poker- und Potenz-Newsletter, sowie automatisierter Beteiligung an US-Gewinnspielen und Veröffentlichung der Mailadresse auf vielen Webseiten, erhält Spamschlucker-Berthold derzeit "nur" die unbefriedigende Anzahl von ca. 200 Spam-Mails wöchentlich und auch Bigemail-Klaus bestätigt zwar den Erhalt von Spam, kann und will aber dadurch, dass sein Versuch als Langzeitprojekt angelegt ist, noch keine Prognosen abgeben.

Vom Spam erschlagen werden sie allerdings beide nicht – die erwartete Heuschreckenplage bleibt bisher aus. Beide begehen zwar mit Absicht klassische "Fehler" im Umgang mit ihren Adressen und werfen der spammenden Meute Filetstücke zur Fütterung vor, doch was geht da schief? Ist die gesamte Spamplage doch nicht so mächtig wie bisherige Zahlen und Statistiken belegen?

"Spam" im Namen schützt vor Spam
Berthold sieht die Antwort auf diese Fragen größtenteils in seiner Mailadresse selbst. Die Zeichenfolge "s-p-a-m" in spamschlucker.org scheint tatsächlich eine Art Bremse zu sein auf welche die Versender von Spam allergisch reagieren. Versuche mit Kontroll-E-Mailadressen haben diese, auf den ersten Blick absurd erscheinende Theorie bestätigt. Beim Versuch Spam zu generieren, hat er also eine unerwartete Entdeckung zur Vermeidung von Spam gemacht. Schade für das Projekt, für uns aber vielleicht bei der Einrichtung zukünftiger Maildressen hilfreich.

Berthold hat seine Zieladresse aufgrund dieser Erkenntnis mittlerweile auf bm@schweinischer-bote.de geändert und empfiehlt im Gegenzug zur Vermeidung von Spam eine Adresse mit "spam" im Text anzulegen (z.B. no.spam@1live.de). Im Falle von Bigemail.de wird erst die Zeit zeigen, wie Spammer auf "zum Abschuss freigegebene" Adressen reagieren und wie gefährdet veröffentlichte Mailadressen wirklich sind. Beide Seiten veröffentlichen regelmäßige Zwischenbilanzen ihrer Experimente.

Der Begriff "Spam" bezeichnet übrigens wörtlich übersetzt nichts anderes als gekochten Schinken aus der Dose ("spiced ham") und geht tatsächlich auf einen Monty–Python-Sketch zurück, bei dem ein Restaurant komplett mit dem Wort "Spam" übersät ist. Zum Zeitpunkt des Sketches waren E-Mail, geschweige denn Spam, zwar noch nicht einmal geboren, aber, so viel ist sicher, sterben wird die Spam-Mail auch erst wieder, wenn niemand mehr darauf klickt. Bisher passiert das anscheinend immer noch lohnenswert oft. 1live, 6.6.2007: Faszinosum Spam


fm4@orf.at (29.12.2007)

Ein Radiobericht vom österreichischen fm4 über den Digitalkünstler Christoph Schwarz und den Spamschlucker, leider online nicht mehr zu hören. Zusammenfassung:
Spamming Back!
Es gibt kaum etwas nervigeres als einen verstopften Maileingang, verursacht durch tonnenweise sinnloser Spammails. Für Berthold Metz und Christoph Schwarz hingegen ist Spam keine Last sondern eine große Freude. Berthold Metz hat es sich 2007 zur Aufgabe gemacht 500 000 Spam Mails zu sammeln und die Aktion in seinem Blog spamschlucker.org dokumentiert. Der Wiener Medienkünstler Christoph Schwarz hingegen macht aus Spam Mails grafische Kunstwerke die er in performativen Aktionen den Spammern zurückspammt & -verkauft, um sie mit den eigenen Waffen zu schlagen. (Alexandra Augustin) fm4 - Programm für den 29.12.2007